Patrick Tirler

Willkommen auf meiner Seite! Ich freue mich, hier einige meiner Erlebnisse zu teilen. Viel Spass!

„Heiße Liebe, eiskalt erwischt!“ (IX-) Santner

Santnerbauchpfeiler – 03.09.2020 – mit Felix Kiem

Die Sommerferien 2019 neigten sich dem Ende zu. Die Sommerarbeit hatte ich schon vor einigen Wochen beendet. Es gab kaum einen Tag in den letzten Wochen wo ich nicht klettern war. Dementsprechend war auch meine klettermäßige Form. In zwei Tagen beginnt die Schule und ich will diese Tage noch so gut wie möglich ausnutzen. Nach einem Regentag in Franchi-Landro suchte ich einen Partner zum Alpinklettern. Ich hatte schon lange eine gewisse Idee im Kopf. Vor einigen Wochen kletterte ich mit meinem Onkel Moritz eine vom ihm vor einigen Jahren erstbegangene Tour in der Santner Nordwand. Dort fiel mir ein markanter feiner Riss auf, der gerade durch einen leicht überhängenden Wandbereich verläuft. Ich wusste, dass es einige Meter daneben eine Tour aus dem Jahr 2005 von Florian Riegler und Moritz Tirler gibt. Mit sieben Seillängen bis 9- führt sie auf dem Pfeilerkopf auf der Nord-Westkante. Ich setzte mir das Ziel die Route zu klettern und den Riss daneben auszukundschaften. Es war nicht leicht einen Partner für diese Route zu finden. Schließlich konnte ich meinen Sportkletterfreund Felix Kiem, der vor einigen Tagen einen Alpinkletterkurs vollzogen hat, überreden.

Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite und auch ein Nachmittagsgewitter schien laut der Wettervorhersage unwahrscheinlich. Da Felix mit Zug und Bus aus Meran ankam, erreichten wir erst relativ spät den Einstieg. Die erste Seillänge führte uns durch Latschen und Grasbüschel auf ein Band. Felix fühlte sich bereit für die kommende Seillänge und so stieg er mit Friends bewaffnet in die mit Rissen durchzogene senkrechte Wand. Er bewältigte die durchaus anspruchsvolle Seillänge und baute nach einem Quergang auf einen großen Felskopf Stand. Die erste Schlüssellänge lag nun vor uns. Eine steile glatte Wand mit Löcher versehen. In der Mitte der Wand steckte ein Haken, doch dazwischen war ein Absichern kaum vorstellbar. Vorsichtig begann ich zu klettern und konnte glücklicherweise 5m ober dem Stand zwei Friends auf gleicher Höhe platzieren, die wohl beide einzeln einen Sturz aufgehalten hätten. Nach einigen unsicheren Zügen auf offenen Löchern sah ich die Möglichkeit für einen weiteren Friend, jedoch bei weitem nicht so gut wie die vorigen. Die Tritte waren schlecht und die Griffe ebenso. Ruckartig zog ich am Friend, um ihn zu testen und schon hielt ich ihn in der Hand. Der Aufleger in meiner linken Hand konnte den Schwung nicht abfangen und nach einem kurzen und gut gedämpften Flug befand ich mich auf gleicher Höhe mit Felix. Erschrocken bemerkte ich, dass er gute 2m ober den Felskopf mit dem ganzen Standplatz am Gurt hängte. Sofort seilten wir uns ab, verstärkten den Stand und starteten einen neuen Versuch. Nach zwei langen Run-outs und einer schwierigen Stelle erreichte ich den Stand.

Von dort führte eine lange Seillänge im 5. Grad bis zum Band vor der Schlüsselstelle. Langsam kletterte Felix durch das brüchige und extrem schwierig abzusichernde Gelände. Beim Nachklettern wurde mir bewusst wie gefährlich diese Länge war, denn wohl kaum eine Zwischensicherung hätte einen Sturz gehalten und der Stand darunter war auch nicht bombe. Nach einer kurzen Pause nahm ich die kommende Verschneidung im Angriff. Ein kurzer Boulder über einen Bauch mit drei Haken führt mich in eine überhängende Verschneidung, wo ich meinen kleinsten Friend versenken konnte. Es fiel mir schwer ihm zu vertrauen, doch ich schaffte es bis zum nächsten Stand. Dort übernahm wieder Felix, der jedoch nach langem Hin- und Herklettern aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten abbrechen musste. Zurück am Stand tauschten wir und ich eilte die nächsten Seillängen durch total cleanes und Santner-typisches Gelände auf den Pfeilerkopf.

Es war bereits spät am Nachmittag und wir suchten verzweifelt nach den Abseilständen. Es war uns unerklärlich, aber wir fanden sie nicht. Mit viel Glück und einigen Materialverlusten fanden wir von Sanduhr zu Sanduhr den Weg nach unten. Als wir am Boden ankamen, stellten wir mit Verzweiflung fest, dass sich das Seil trotz allen Anstrengungen nicht abziehen lässt. Mit letzter Hoffnung hängten wir uns ein Ende an den Gurt und liefen mit Anlauf den Hang runter und schmissen uns in das gespannte Seil hinein. Plötzlich gab das Seil nach und wir purzelten mit dem Seil die Wiese runter. Alles ging gut und wir nahmen den Sprint zum Parkplatz auf, um den letzten Bus für Felix noch zu schaffen.

Total fertig kann ich auch eine gelungene Tour und auf ein schönes Abenteuer zurückblicken mit einigen gefährlichen Momenten, die mir eine Lehre für die kommenden Unternehmungen sein werden. Den Riss, den ich eigentlich auskundschaften wollte, werde ich wohl direkt versuchen müssen, denn in der ganzen Aufregung habe ich ihn total vergessen.

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