Patrick Tirler

Welcome to my website! I am happy to share some of my experiences here. Have fun!

„Die Schwarze Träne“ (VII) Schlern

Schlern Ostwand – am 11.09.2022 – mit Florian Gufler

Ein wunderschöner Tag. Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und die Ruhe des Herbsts breitet sich über das Schlerngebiet. Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich meine Route „Attacke“ auf dem Mumelterkopf vollendet habe. Damals ist mir in der Ostwand des Schlerns eine Linie aufgefallen, die ich im Hinterkopf behalten habe. Auf der Frage von Flo, was wir an diesen Sonntag machen könnten, schlug ich ihm eine Erstbegehung am Schlern vor. Ohne weiter nachzufragen, sagte er zu.

Ich habe kein genaues Wandbild mehr und kann mich nicht mehr gut an die Linie erinnern. Doch ich bin mir sicher, dass mein jugendliches Auge damals eine mögliche Linie entdeckte und vertraue darauf. Ohne große Erwartungen treffen wir uns um 7 Uhr beim Parkplatz. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen und es gibt viel zu erzählen. Der Zustieg vergeht wie im Flug, ohne dass wir uns überhaupt große Gedanken machen, was wir heute machen. Nach dem Stahlseil des Gamssteigs zweigen wir nach rechts auf die Scharte und die gesamte Ostwand des Schlerns türmt sich vor uns auf. Meine Idee von damals befindet sich viel weiter rechts als gedacht und dazwischen liegt ein dichtes Latschenfeld. Da wollen wir auf keinen Fall durch. Doch zu unseren Freuden ist am Schlern noch jede Menge Spielraum für neue Routen und wir sind flexibel.

Die Ostwand des Schlerns

In den letzten Jahren habe ich viele Routen in den Dolomiten wiederholt und die Anziehungskraft des Unbekannten ist dabei konstant gestiegen. Spätestens nach der Expedition nach Kirgistan hasse ich es auf einem Topo nachzuschauen, wohin ich klettern muss. Am liebsten verlasse ich mich auf meinem Gefühl und auf Erstbegehungen hat man gar keine andere Wahl. Ich freue mich auf das Abenteuer und erwarte mir keinen Erfolg. So entscheiden wir uns für einen markanten Riss rechts vom Präsidentenband und queren höchst motiviert die letzten Meter zum Einstieg. Dort hängen wir uns einige Haken und Friends an den Gurt und klettern los.

Flo führt die erste Länge ohne Probleme. Ich stürze mich sofort in die nächste. Der Fels ist von bester Qualität und der Riss lässt sich perfekt absichern. Die Sonne scheint uns auf den Rücken und das Klettern macht Spaß. Am dritten Standplatz zögert Flo beim Standplatzbau und ich erkläre ihm lachend, dass er so viele Nägel schlagen kann, wie es braucht. Ich bin nicht bereit auf Sicherheit zu verzichten, um Material zu sparen. Sehr wohl aber sehe ich keine Notwendigkeit für eine fixe Sicherung, wenn man daneben einen guten Friend oder Keil platzieren kann. Die Herausforderung der Route soll sein, mit offenen Augen zu klettern und die natürlichen Sicherungsmöglichkeiten zu nutzen.

Mit jeder Seillänge nimmt die Steilheit zu und die Kletterei wird anspruchsvoller. Ein perfekter Riss weist uns den Weg nach oben und bereitet uns eine Riesenfreude. In der sechsten Seillänge gehen mir die Friends aus und ich muss einen zusätzlichen Haken beim Stand schlagen. Dies sollte der Letze für heute sein. Nach einer weiteren steilen Länge erreichen wir den Kamm des Pfeilers, von dem uns leichte Kletterei direkt auf die Wiese des Schlernplateaus führt. Glücklich legen wir uns in die Wiese und freuen uns über eine gelungene Onsight-Erstbegehung.

Routeninformationen:

Die Route folgt einem markanten Risssystem und ist bis auf zwei Normalhaken vollständig clean. Der Fels ist sehr gut und bietet ausreichend Möglichkeiten für mobile Sicherungen.

Next Post

Previous Post

Leave a Reply

© 2024 Patrick Tirler